Traktor Kontrol S4 und Controller-Mappings
Traktor Pro S4 sollte ein einfach zu verwendendes Paket aus Software und Hardware werden, das auch ein neuer "Traktorianer" verwenden kann, ohne hierfür in die Tiefen des Controller-Mappings einsteigen zu müssen. Die Vision von Traktor Pro S4 als Plug&Play-Lösung wurde hierbei konsequent umgesetzt.
Das Plug&Play-Erlebnis und die enge Verzahnung von Hardware und Software hat – und dies gilt insbesondere für erfahrene Traktor-User – seinen Preis, was die Möglichkeiten angeht, das Mapping des S4-Controllers an die eigenen Anforderungen anzupassen.
Dieses Tutorial zeigt, was möglich ist und was nicht.
Für die Nutzung der Software Traktor Pro S4 mit dem S4-Controller bzw. einem zusätzlichen Controller stehen dir vier Optionen zur Verfügung:
Option 1: Das eingebettete Mapping – S4 Default
Traktor Pro S4 ist die erste Traktor-Version, bei der das Mapping für einen Controller im Traktor-Code eingebettet und somit nach außen nicht sichtbar ist. Wenn du Traktor Pro S4 zum ersten Mal mit angeschlossenem S4-Controller startest, fügt Traktor S4 in die Device-Liste des Dialogfeldes Preferences/Controller Manager automatisch ein neues Device mit dem Namen Traktor.Kontrol S4.Default ein. (Du öffnest den Controller Manager mit einem Klick auf die Schaltfläche Preferences im Traktor-Header; klicke dann in der Kategorienliste auf der linken Seite des Dialogfeldes auf Controller Manager. Wird dieses Device in der Liste ausgewählt, sieht das Dialogfeld so aus:

Wie du siehst, siehst du nichts. Das Standard-Mapping für den S4 ist vollständig im Programmcode von Traktor verborgen und es lässt sich daher auch nicht ändern.
Angenommen, du verwendest das AutoGain-Feature von Traktor, das beim Laden eines Tracks den Gain-Knob automatisch auf den in den Tags gespeicherten Wert setzt. In diesem Setup wäre es nützlich, wenn die Gain-Encoder des Controllers einer anderen Traktor-Funktion zugewiesen
werden könnten, beispielsweise dem Key-Knob. Leider ist es nicht einfach möglich, solch kleine Änderungen vorzunehmen.
Ich kann nur darüber spekulieren, warum Native Instruments sich entschieden hat, das Mapping für den S4-Controller in den Code einzubetten. Einerseits schützt das Einbetten des Mappings unbedarfte User davor, ungewollte Änderungen am Mapping vorzunehmen, die dann zu einem nicht mehr funktionierenden Mapping und in der Folge zu Anrufen beim NI-Support führen.
Andererseits vermute ich, das NI mit dem ausgeklügelten Mapping des S4-Controllers an die Grenzen der derzeitigen Möglichkeiten gestoßen ist, die der Controller Manager in der aktuellen Form aufweist und dass es viel einfacher war, den S4-Controller vom Code aus zu steuern, als die Architektur des (nicht sehr benutzerfreundlichen) Controller Managers zu ändern.
Option 2: Parallele Nutzung von S4-Default- und S4-User-Mapping
Die zweite Option ist die parallele Verwendung des S4-Standard-Mappings und eines benutzerdefinierten Mappings für den S4. Die Möglichkeiten in dieser Konfiguration sind aus folgenden Gründen begrenzt:
- Das S4-Standard-Mapping kann nicht geändert werden
Wie im vorigen Abschnitt beschrieben, kann das Standard-Mapping nur komplett verwendet werden; es ist nicht möglich, einige der vordefinierten Zuweisungen zu ändern bzw. zu löschen und dann neu zu mappen.
- Viele der potenziell verfügbaren Bedienelemente auf dem S4-Controller können nicht doppelt gemappt werden
Der S4-Controller besitzt einige Bedienelemente, die im S4-Default-Mapping nicht doppelt gemappt sind; d.h., sie lösen immer die gleiche Funktion aus, gleichgültig, ob einer der beiden Shift-Buttons gedrückt ist oder nicht. Diese Bedienelemente sind: die vier Gain-Encoder, die vier Cue/Prelisten-Buttons sowie im Loop Recorder alle vier Buttons
und der Dry/Wet-Knob.
Wären diese Bedienelemente von NI so gemappt worden, dass die Standardaktion nur dann ausgeführt wird, wenn die Shift-Buttons nicht gedrückt sind, wäre es ein Leichtes, diese mit einer Shift-Funktion zu versehen. So wäre es dann beispielsweise möglich gewesen, die Key-Knobs als "geshiftete" Funktion auf die Gain-Encoder zu legen und dazu ein User-Mapping zu erstellen.
- Nur wenige Bedienelemente auf dem S4-Controller lassen sich deaktivieren und dann neu mappen
Nur wenige der Bedienelemente auf dem S4-Controller lassen sich deaktivieren und dann mit einer neuen Funktion versehen. Diese sind:
a) Die beiden Tempofader und die beiden Tempo-Offset-Buttons
links und rechts am Controller. Um diese Elemente zu deaktivieren und neu mappen zu können, musst du den Auto-Modus in der Master Clock abschalten, die Master Clock zum Tempomaster machen und auf den Decks die Sync-Buttons aktivieren. Dann lassen sich die Tempofader und Offset-Buttons für andere Zwecke nutzen.
b) Der Crossfader. Um den Crossfader für andere Zwecke zu verwenden, musst du die Zuordnung zwischen Crossfader und Decks aufheben (halte Shift gedrückt und verwende dann die Buttons FX1/FX2, mit denen ungeshiftet die Zuordnung zwischen Deck und FX Units eingestellt werden kann).
Hinweis: Beachte, dass die Crossfader-Zuweisung leider nicht in den Traktor-Einstellungen gespeichert wird, sondern du die Zuweisung nach jedem Traktor-Start neu vornehmen musst. Dies ist ein bisschen lästig, und zwar nicht nur dann, wenn du den Crossfader für andere Zwecke verwenden willst. Auch in der Standardkonfiguration mit zwei Track-Decks und zwei Sample-Decks wäre es wünschenswert, wenn nur Deck A und Deck B über den Crossfader gesteuert werden und die Lautstärke der Sample-Decks C und D dauerhaft nur mit den Up-Fadern eingestellt werden könnten.
c) Vier der acht Buttons, die die Zuordnung zwischen FX-Units und Decks steuern. Wenn du auf Preferences/Effects die Option
4 FX Units aktivierst, ist standardmäßig jeweils eine der FX-Units mit genau einem bestimmten Deck verknüpft. Daher stehen in dieser Konfiguration vier der acht Buttons zur freien Verfügung (siehe auch
das Posting 4 FX-Units verwenden).
Als Beispiel habe ich ein kleines S4-User-Mapping erstellt, dass parallel zum eingebetteten Standard-Mapping verwendet werden kann. Dieses Mapping verwendet die Tempofader und die Tempo-Offset-Buttons, um die Tonarteinstellungen für Deck A und Deck B zu steuern. Außerdem lässt sich mit dem Mapping das Tempo der Master Clock ändern. Das Mapping findest du auf der TraktorFreaks-Website. Hier der Link: Key und Master Clock Tempo mit dem S4
Option 3: Nur S4-User-Mapping verwenden
Die dritte Option besteht darin, dass Standard-Mapping zu deaktivieren und dein eigenes User-Mapping zu erstellen. Diese Vorgehensweise ist eher für fortgeschrittene Traktor-User interessant, da das Mapping sehr komplex werden kann. Außerdem sollte man bedenken, dass sich das eingebettete Mapping nicht eins zu eins in einem S4-User-Mapping implementieren lässt. Wenn du ein eigenes Mapping erstellen willst, kannst du das mitgelieferte User-Mapping als Basis verwenden. Dies macht die ganze Aktion etwas einfacher.
Das S4-Default-Mapping deaktivieren
So kannst du das Default-Mapping deaktivieren:
- Öffne das Dialogfeld Preferences/Controller Manager.
- Öffne die Liste Device und wähle den Eintrag Traktor.Kontrol S4.Default aus.
- Öffne die Liste In-Port und wähle None.
oder
Klicke auf die Schaltfläche Edit und wähle Delete. Das Meldungsfeld Remove Device wird angezeigt. Klicke auf Yes.
Nach Schritt 3 siehst du im unteren Bereich des Dialogfeldes eine rote Warnmeldung, die angibt, dass ein Audio-Device ausgewählt werden muss. Das Problem ist, dass Traktor durch die Aktion in Schritt 3 meint, dass der S4-Controller entfernt wurde und auch die Audioverbindung trennt. Um dies zu korrigieren, öffnest du die Seite Audio Setup, wählst zuerst ein anderes Audio-Device aus und danach wieder das Kontrol S4 Device. Du musst ein anderes Audio-Device auswählen, sonst lässt sich Kontrol S4 nicht reaktivieren.
S4-User-Mapping erstellen
Damit sind die Grundlagen geschaffen, um ein benutzerdefiniertes Mapping zu erstellen. Je nach Kenntnis über das Controller-Mapping kannst du entweder das TSI-Mapping aus dem Lieferumfang von Pro S4 als Grundlage verwenden und dies abändern, oder du erstellst ein komplett neues Mapping.
Um das mitgelieferte User-Mapping zu importieren, öffne das Dialogfeld Preferences und wähle in der Kategorienliste die Option Controller Manager. Klicke auf Add/Import. Traktor zeigt das
Dialogfeld Öffnen mit dem geöffneten Ordner Settings an. Wechsle zum Unterordner Default Settings/Controller/Native Instruments und wähle die TSI-Datei für den Kontrol S4 aus. Klicke auf Öffnen.
Traktor fügt ein neues Mapping des Typs Traktor.Kontrol S4.User in die Liste
Device ein.

Das Mapping ist ziemlich komplex. Um besser zu verstehen, was dort wie gemappt ist, sortiere die Tabelle
Assignment nach der Spalte Control, suche nach den Modifier-Commands, um zu sehen, welchen Bedienelementen des S4 sie zugeordnet sind. Dies macht es einfacher, bei den anderen Commands zu verstehen, wann diese ausgeführt werden.
Das User-Mapping versucht, weitestgehend das eingebettete Mapping zu emulieren. Es gibt jedoch auch ein paar Unterschiede. Die Sample Play-Buttons beispielsweise sind (ohne dass ein Shift-Button gedrückt ist) so gemappt, dass sie das neue Command Backward Loop Size + Set verwenden, bei dem die aktuelle Playbackposition das Loop-Ende definiert (und nicht wie bei Loop Size + Set den Loop-Anfang).
Das Kopieren eines Samples vom Deck in einen der Sample Slots ist nicht implementiert. Du kannst hierfür das Command Sample Deck/Load from Deck verwenden. Jedoch verhalten sich nicht alle neuen Commands so, wie man es erwarten würde. Das neue Traktor Bible-Update zu Traktor Pro S4 enthält eine Referenz der neuen und geänderten Befehle. Das Update gibt es hier: Traktor Bible-Update zu Traktor Pro S4 .
Option 4: Andere Controller gemeinsam mit dem S4 verwenden
Da das eingebettete Mapping nicht modifiziert werden kann und da es nicht gerade einfach ist, den S4-Controller neu zu mappen und dabei Änderungen vorzunehmen, kann die bessere, weil einfachere Alternative sein, einen zweiten Controller parallel zum S4 zu verwenden. Dies könnte beispielsweise der Native Instruments Kontrol X1 sein (der einzige Controller, für den es HID/NHL-Unterstützung in der S4-Software gibt), aber auch jeder andere Controller, der via MIDI gemappt werden kann.
Auf der TraktorFreaks-Website findest du u.a. zwei Mappings, die ich speziell für Traktor Pro S4 erstellt habe:
- Kontrol X1: Sample Slots und Hotcues
- Jazzmutant Lemur: Steuerung der Sample Slots
Fazit
- Tolles Hardware-/Software-Paket wenn das Standard-Mapping genau deinen Anforderungen entspricht
- Ändern des vordefinierten Mappings für den S4 nicht möglich, um kleine Anpassungen vornehmen zu können
- Erstellen eines komplett neuen Mappings auch in Traktor Pro S4 so aufwendig wie bisher
- Nicht alle Funktionen des Standard-Mappings lassen sich in einem User-Mapping realisieren (beispielsweise der spezielle Browse-Modus oder das gezielte Ändern von Lautstärke und Filter für mehrere Sample Slots)
- Einfachster Weg, um weitere Features zu mappen, die auf dem S4-Controller standardmäßig nicht vorhanden sind, ist die Verwendung eines zweiten Controllers
Autor: Rainer G. Haselier
Letzte Aktualisierung: 1. November 2010
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